Für mich ist der Hype um Web 2.0 ein Weckruf an die verschlafene Internetgemeinschaft.

Nach der Einführung des Begriffs Web 2.0 Ende 2004 erlangten viele dieser Technologien, Gattungen der Web-Applikationen und gesellschaftlichen Phänomene eine hohe Aufmerksamkeit in den Medien. Wikis und Weblogs gibt es schon seit zehn Jahren, wurden jedoch kaum eingesetzt.
Unabhängig von Web 2.0 starteten zeitgleich einige Community-Plattformen mit ihren Diensten. Die folgende Abbildung zeigt die Seitenaufrufe einiger bekannter Web-Plattformen mit Web 2.0-Eigenschaften. Die Kurvenverläufe haben alle zwei Dinge gemeinsam. Sie haben alle ab 2005 bis heute einen nahezu exponentiellen Verlauf, flachen am Ende jedoch ab.
Es gibt derzeit keine empirische Untersuchung über den kausalen Zusammenhang zwischen der Begriffsentstehung Web 2.0 und dem Erfolg vieler Community-Plattformen.
Eine Frage bleibt daher offen: Verhalf der Hype um Web 2.0 den Community-Plattformen zum Brückenschlag über die Kluft zwischen dem frühen Markt und dem späten Markt im Technologielebenszyklus?

Kleiner Exkurs: Die Kluft im Technologielebenszyklus
Als Erweiterung des Produktlebenszyklus stellte im Jahr 1962 Everett M. Rogers in seinem Buch „Diffusion of Innovations“ ein Modell für die Übernahme neuer Technologien im Markt, den so genannten „Technology Adoption Life Cycle“ bzw. den Technologielebenszyklus vor. Das Buch erschien 1995 in der vierten Auflage. Rogers teilt den Zyklus in 5 Phasen ein :
- Neuerer (Innovators)
- Frühe Übernahme (Early Adopters)
- Frühe Mehrheit (Early Majority)
- Späte Mehrheit (Late Majority)
- Nachzügler (Laggards)
Neue Technologien werden zunächst von den Neuerern angenommen. Sie haben Interesse und Spaß an neuen Technologien und keine Berührungsängste. Durch sie werden die ersten Anwender auf die Technologie aufmerksam. Die ersten Anwender erkennen neue Möglichkeiten, sich mit der neuen Technologie einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Sie treffen ihre Entscheidung aufgrund von Intuition und der Vision der Technologie. Hat sich die Technologie etabliert und sich als anhaltender Trend herausgestellt, wird die Technologie von der frühen Mehrheit angenommen. Die Technologie ist ausgereifter und birgt ein geringeres Risiko. Nachdem ein Großteil der Mitbewerber die Technologie einsetzt oder die Technologie sich zum Standard entwickelt hat, schließt sich die späte Mehrheit an. Das Risiko ist minimal und der Nutzen der Technologie hat sich bewährt. Als Letztes greifen Nachzügler zur neuen Technologie, wenn die Nutzung der alten Technologie aufgrund steigender Kosten unwirtschaftlich wird.
Im Jahr 1991 erweiterte Geoffrey Moore in seinem Buch „Crossing the Chasm“ den klassischen Technologielebenszyklus. Moore untersuchte, warum sich vielversprechende Technologien sich auf den Markt nicht bewährt haben . Er teilt den Markt in zwei zeitliche Abschnitte ein. Der erste Zeitabschnitt, der „frühe Markt“, setzt sich aus den Neuerern und ersten Anwendern zusammen. Der „späte Markt“ umfasst die nachkommenden Anwender. Moore sieht den Grund des Scheiterns einer neuen Technologie in den unterschiedlichen Bedürfnissen der Märkte und beschreibt diese als Kluft: „The chasm represents the gulf between two distinct marketplaces for technology products—the first, an early market dominated by early adopters and insiders who are quick to appreciate the nature and benefits of the new development, and the second a mainstream market representing ‚the rest of us,’ people who want the benefits of new technology but who do not want to ‚experience’ it in all its gory details. The transition between these two markets is anything but smooth.“